Das Bischöfliche Offizialat als eigenständige Institution der katholischen Kirche

"Offizialat" ist der Fachausdruck für das kirchliche Gericht einer Diözese. Jeder Diözesanbischof ist verpflichtet, einen Gerichtsvikar, auch Offizial genannt, als Vorsitzenden des kirchlichen Gerichts zu ernennen. Dessen Vertreter ist der Vizeoffizial. Vom Bischof werden weitere Diözesanrichter bestellt. Nach ihrer Ernennung obliegt ihnen im Namen des Bischofs die Rechtsprechung innerhalb der Diözese.
Den Schwerpunkt der gerichtlichen Tätigkeit bilden Personenstandsverfahren. Jeder Person - ob getauft oder ungetauft -, die schon einmal verheiratet war und eine neue Ehe auch vor der Kirche eingehen will, steht das Recht zu, die Gültigkeit der ersten Eheschließung überprüfen zu lassen. Führt die Überprüfung in einem dafür vorgesehenen kirchlichen Verfahren zu dem Ergebnis, dass die erste Eheschließung nach kirchlichem Recht ungültig war, steht diese einer (ersten oder erneuten) katholisch-kirchlichen Eheschließung nicht mehr im Wege.